Richtige Diagnose von Osteoporose


Donnerstag, 23.10. 12.05 Uhr, "Gesundheitsgespräch auf Bayern 2" Osteoporose erkennen
Kategorie: Radio

Die richtige Diagnose von Osteoporose
Das Gesundheitsgespräch, Bayern 2, 23.10.2008, 12.05 Uhr

Die Sendung (Auszüge) zum "Nachlesen":

Osteoporose - die neue Volkskrankheit!
In Deutschland sind rund sieben Millionen Menschen von dem krankhaften Knochenschwund betroffen - das sind etwa acht Prozent der Bevölkerung. Die Patienten haben dünne Knochen und erleiden deshalb häufig Frakturen. Jede dritte Frau erleidet heute nach der Menopause eine Osteoporose-bedingte Fraktur. Dabei ließe sich die Erkrankung durch entsprechende Lebensweise und frühzeitige Therapie verhindern.

Knochenschwund - Schluss damit!
"Jeder ist seines Skelettes Schmied", sagt der Münchner Osteologe Prof. Dr. Reiner Bartl vom Bayerischen Osteoporosezentrum der Universität München in Großhadern.

Wer erhöhte Risikofaktoren hat, sollte im Alter von 40 bis 45 Jahren eine Knochendichtemessung vornehmen lassen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt die sogenannte DXA-Methode. Dabei werden zwei schwache Röntgenstrahlen durch die Knochen am Oberschenkel oder an der Lendenwirbelsäule geschickt. Die Knochendichte lässt sich am sogenannten T-Wert ablesen. Ist dieser schlechter als minus 2,5, muss der Patient behandelt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?
Prof. Bartl: Das hängt von den Risikofaktoren des Patienten ab. Wenn es in der Familie Fälle von Osteoporose gibt, besteht ein erhöhtes Osteoporose-Risiko. Betroffene sollten dann zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr einmal im Jahr die Knochendichte messen lassen. Das gilt auch für Raucher oder Leute, die sich wenig bewegen. Im Rahmen einer Vorsorge-Untersuchung empfehlen wir heute jeder Frau über 50 Jahre und jedem Mann über 60 Jahre eine DXA-Knochendichtemessung zur Beurteilung der Knochensituation.

Wie wird die Knochendichte gemessen?
Prof. Bartl: Es gibt verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau sind. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Dachverband für Osteologie (DVO) wird die Röntgenmessung empfohlen, die sogenannte DXA-Methode (dual energy x-ray absorptiometry). Die Untersuchung dauert nur zehn Minuten und ist sehr strahlenarm. Dabei werden zwei Röntgenstrahlen unterschiedlicher Stärke durch das Knochengewebe an der Lendenwirbelsäule oder am Oberschenkel geschickt. Je nachdem, wie durchlässig der Knochen ist, dringt eine bestimmte Menge Strahlung durch den Knochen. Mittels Computer lässt sich dann der Mineraliengehalt des Knochens errechnen.

T-Werte-Messung
Prof. Bartl: Das Ergebnis richtet sich nach dem sogenannten T-Wert. Dieser vergleicht den Befund mit den Werten eines jungen Erwachsenen; die Differenz zwischen dem T-Wert und dem Referenzwert wird als Standardabweichung (SD) bezeichnet. T-Werte von minus 1 SD und schlechter deuten auf eine krankhafte Knochenveränderung hin; T-Werte unter minus 2,5 SD zeigen eine Osteoporose an und müssen behandelt werden. Es gibt auch noch eine Messung per Ultraschall an der Ferse oder an den Fingern. Dies ist allerdings nicht verlässlich genug und sagt allenfalls etwas über ein generelles Frakturrisiko aus. Da eine Osteoporose an der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkel beginnt, muss auch dort gemessen werden - und das geht nur mit der DXA-Methode.Wie häufig sollte diese Messung gemacht werden?Prof. Bartl: Die Strahlung der DXA-Methode beträgt nur etwa ein Hundertstel einer normalen Röntgenaufnahme. Sie ist so schwach, dass sie weder Knochen noch Organe schädigt. Deshalb empfehle ich Hochrisiko-Patienten, zum Beispiel solchen, die Cortison nehmen müssen, eine DXA-Untersuchung pro Jahr.

Welcher Arzt ist der richtige?
Prof. Bartl: Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Dieser überweist dann weiter zum Spezialisten, der ein Gerät zur DXA-Messung hat. Wir bauen gerade in Bayern entsprechende Diagnose-Zentren auf. Einen guten Arzt erkennt man daran, dass er seine Patienten nicht sofort zur Messung schickt, sondern sich erst einmal ausführlich ihre Krankengeschichte anhört, sie dann untersucht und erst dann die Messung macht.
Was mich schockiert: Nur 20 Prozent dieser Patienten werden von den Ärzten richtig diagnostiziert, und nur zehn Prozent werden mit den optimalen Medikamenten therapiert. Der Rest wird noch immer mit billigen, aber meist unwirksamen Medikamenten behandelt, zum Beispiel mit Fluoriden. Diese führen zwar zu einer Zunahme von Knochenmasse, aber die mechanische Belastbarkeit der Knochen bleibt mangelhaft. Zudem verursachen Fluoride Nebenwirkungen wie Gelenkschmerzen. Patienten mit Osteoporose haben das Recht auf eine effektive Therapie, und dazu gehören nun mal die zwar teuren, aber wirkungsvollen Bisphosphonate.

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?
Prof. Bartl:
Bei allen Risikopatienten zahlt die Krankenkassen die DXA-Knochendichtemessung. Sollte sich dabei Osteoporose herausstellen, übernimmt die Kasse auch die Kosten für die relativ teuren Medikamente. Die Kosten für diese Behandlung sind immer noch geringer als die nötigen Operationen nach einer Wirbelsäulen- oder Oberschenkelhalsfraktur.Gibt es genügend DXA-Geräte in Bayern?In Bayern stehen bereits 500 DXA-Geräte flächendeckend zur Verfügung, allein in München etwa 30 Geräte. Somit kann der Hausarzt seinen Patienten immer zu einem Osteoporose-Spezialisten in seiner Nähe schicken.

Experte in der Sendung:
Prof. Dr. Reiner Bartl
Bayerisches Osteoporosezentrum
Klinikum Großhadern
Marchioninistr. 15
81377 München

Tel.: 0 89/7095-2520
Fax: 0 89/7095-5514

Osteologische Ambulanz
Anmeldung:
Montag bis Freitag von 8.00 - 16.00 Uhr
Tel. . 0 89/7095-3003
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