Beruf

Karriere im Gesundheitswesen

Führungskräfte in Krankenhäusern verdienen im Schnitt nur rund halb so viel wie in einer vergleichbaren Position in einem Wirtschaftsunternehmen.

Das ergab die Vergütungsstudie „Führungs- und Fachkräfte in Krankenhäusern" der Management Beratung Kienbaum, wie das Unternehmen heute in einer Pressemitteilung vermeldet. Laut der Studie wurden die Daten von 1.977 Positionen aus 157 Krankenhäusern aller Größen erhoben. Demnach erhalte ein Geschäftsführer eines Krankenhauses Jahresgesamtbezüge von 142.000 Euro, während ein Geschäftsführer in einem Wirtschaftsunternehmen im Durchschnitt 280.000 Euro verdiene. Ein Leiter Einkauf/Logistik in einem Krankenhaus erhalte mit 60.000 Euro nur knapp die Hälfte eines Leiters Materialwirtschaft/Einkauf in einem Wirtschaftsunternehmen mit 117.000 Euro. „Die Gehaltsunterschiede zwischen Krankenhäusern und anderen Wirtschaftsunternehmen sind beträchtlich. Das macht einen Wechsel attraktiv. Deshalb müssen die Krankenhausleitungen intelligente Vergütungssysteme entwickeln, um Talente zu gewinnen und zu binden", sagt Kienbaum-Vergütungsexperte Christian Näser.

Von Juli 2007 bis Juli 2008 seien die Gehälter der nichtärztlichen Führungskräfte in Krankenhäusern um durchschnittlich drei Prozent gestiegen, die der Ärzte im Schnitt um vier Prozent. Je jünger der Mitarbeiter sei, desto höher falle die Gehaltssteigerung aus: Führungskräfte bis 35 Jahre erhielten mit 4,9 Prozent die höchsten Zuwächse, Mitarbeiter im Alter von Mitte 50 nur eine 2,6 prozentige Gehaltssteigerung.

Die Spannweite der Jahresgesamtbezüge von Führungskräften in Krankenhäusern sei beträchtlich. Nichtärztliche Führungskräfte und Spezialisten erhielten eine jährliche Vergütung von 30.000 bis mehr als 200.000 Euro. Bei den Chefärzten sei die Bandbreite noch größer: Hier streuten die Jahresgesamteinkommen von 80.000 bis mehr als eine halbe Million Euro. Oberärzte erhielten Jahresgehälter von 60.000 bis 200.000 Euro. Trotz dieser großen Streuung seien Schwerpunkte erkennbar: Rund die Hälfte der Geschäftsführer verdiene zwischen 100.000 und 175.000 Euro im Jahr und knapp zwei Drittel der Verwaltungsdirektoren oder kaufmännischen Direktoren erhielten zwischen 70.000 und 125.000 Euro. Von den in Krankenhäusern tätigen Führungskräften und Spezialisten würden knapp drei Viertel mit 40.000 bis 80.000 Euro im Jahr vergütet.

Leistungsabhängige Zusatzvergütungen spielten in Krankenhäusern traditionell nur eine untergeordnete Rolle: Im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen, wo 91 Prozent der Geschäftsführer einen Bonus von durchschnittlich 97.000 Euro im Jahr erhielten, betrage die variable Vergütung für rund 60 Prozent der Krankenhaus-Geschäftsführer lediglich 28.000 Euro.
Auf der ersten Ebene unterhalb der Geschäftsführung sei der Unterschied noch gravierender: In Krankenhäusern erhalte nur ein Drittel dieser Führungskräfte einen Bonus, der im Schnitt 13.000 Euro betrage, während Wirtschaftsunternehmen auf dieser Ebene 90 Prozent ihrer Mitarbeiter einen variablen Gehaltsbestandteil von durchschnittlich 33.000 Euro zahlten.

Das Liquidationsrecht sei bei Chefärzten die Hauptform der variablen Vergütung: 57 Prozent erhielten diesen Vergütungsbestandteil (Oberärzte 62 Prozent, Fachärzte 44 Prozent). Einkünfte aus Nebentätigkeiten spielten ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Arztvergütung: 80 Prozent der Chefärzte hätten die Erlaubnis, nebenberuflich zu arbeiten. Das beschere ihnen im Schnitt zusätzlich 66.000 Euro jährlich. Einen klassischen leistungsabhängigen Bonus wie in vielen Wirtschaftsunternehmen erhielten hingegen nur sechs Prozent der Chefärzte und jeder zehnte Oberarzt.


Weitere Informationen unter www.kienbaum.de

Gesundheitsexperten

Lauterbach prognostiziert mehr Praxenaufkäufe durch Kliniken

Ab dem nächsten Jahr erwartet der SPD-Politiker geradezu ein Wettrennen der Konzerne in diesem Bereich, betonte Lauterbach kürzlich auf einem Symposium zur Integrierten Versorgung in Hamburg.

Bislang haben sich die Klinikträger noch zurückgehalten, wenn es um die Gründung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) geht, meint der Gesundheitsökonom Prof. Karl Lauterbach. Auch hätten die Länder lange die Anträge der Kliniken auf ambulante Leistungen nach § 116b SGBV blockiert. Das berichtet der Ärztliche Nachrichtendienst (änd). Ab dem nächsten Jahr erwartet der SPD-Politiker jedoch geradezu ein Wettrennen der Konzerne in diesem Bereich: „Die Krankenhäuser werden sehr viel Wert darauf legen, mit den MVZ schnell an den Markt zu gehen", betonte Lauterbach kürzlich auf einem Symposium zur Integrierten Versorgung in Hamburg.

Kliniken die sich nicht schnell beteiligten, liefen Gefahr, nicht mehr vom schnell aufgeteilten Markt profitieren zu können. „Es gibt schließlich nur eine begrenzte Zahl von Praxen, die zu haben sind", betonte Lauterbach. Dies seien insbesondere die Praxen der Ärzte im Altersbereich zwischen 45 bis 55 Jahre. „Das sind Praxen, die zum Teil sehr hoch verschuldet sind - wo aber die Ärzte sehr gut verstehen, dass sie in zehn oder fünfzehn Jahren diese Praxis nicht mehr teuer verkaufen können." Diese Gruppe sei offen für Verhandlungen mit MVZ-Betreibern.

Den kompletten Vortrag Lauterbachs als Video können Sie über den folgenden Link erreichen.

http://www.iv-hh.de/video.php?VideoName=versorgungsformen

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