DAS Interview

Die DVO Leitlinien 2009 sind verabschiedet. Osteoporoseportal frägt nach.

Was sind überhaupt Leitlinien? Benötigen wir diese in der Osteologie? Für wen sind Sie gedacht? Was ist das Ziel?

Osteoporoseportal Was sind überhaupt Leitlinien?
Dr. Frieling
Leitlinien sind Empfehlungen wissenschaftlicher Fachgesellschaften für Ärzte (und Patienten!) bezüglich einer sinnvollen Diagnostik und Therapie von chronischen Erkrankungen. Dabei werden die Ergebnisse großer Studien berücksichtigt.
Der Dachverband Osteologie der deutschsprachigen wissenschaftlichen Gesellschaften (DVO) hat in den S-3 Leitlinien zur Vorbeugung und Behandlung der Osteoporose empfohlen, dass eine Untersuchung eines Patienten immer dann sinnvoll und angezeigt ist, wenn das Risiko für das Auftreten einer Wirbel- und/oder Hüftfraktur bezogen auf die folgenden 10 Jahre mindestens 20% beträgt. Das hängt z. B. vom Alter, vom Geschlecht, von der Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Kortison), vom Lebensstil (z.B. Nikotin) und auch von bestimmten Grunderkrankungen ab.

Alle Frauen ab 70 Jahre und alle Männer ab 80 Jahre sollten auf jeden Fall eine Knochendichtemessung durchführen lassen.

Osteoporoseportal War die Überarbeitung notwendig?
Dr. Frieling Ja, die Leitlinien werden alle drei Jahre überarbeitet und das ist sinnvoll. Die zwischendurch gewonnen Informationen werden in der jeweiligen Neufassung berücksichtigt. Zwischenzeitlich werden z. B. neue Therapien bzw. neue Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen zur Osteoporosebehandlung zugelassen und neue Studien veröffentlicht, die uns mehr Informationen bezüglich des Fraktur Risikos bei bestimmten Grunderkrankungen oder Medikamenten geben. So ist z. B. ist die Behandlung mit Aromatase Hemmern nach Brustkrebs Erkrankungen oder die rheumatoide Arthritis als unabhängiger Risikofaktor hinzugekommen.

Osteoporoseportal Was ergibt sich an Änderungen für Ärzte in Klinik und Praxis? Werden damit die gesetzten Ziele erreicht? Sind die Leitlinien  auch „praktikabel“?
Dr. Frieling Die Leitlinien sind komplexer geworden. Die Therapieempfehlungen sind in Deutschland verglichen mit anglo-amerikanischen Staaten deutlich konservativer. Trotzdem sind aufgrund der neuen Fassung mehr Patienten im Therapie bedürftigen Bereich. Ob die Ziele erreicht werden und die Leitlinien praktikabel sind, wird sich im Laufe der nächsten drei Jahre zeigen. Diese Erfahrungen werden dann in die Überarbeitung von 2012 einfließen.

Osteoporoseportal Wie positionieren sich die unterschiedlichen Fachgesellschaften in D/A/CH?
Dr. Frieling Die Leitlinien gelten für alle drei Länder.

Osteoporoseportal Ergeben sich Konsequenzen für Selbsthilfeorganisationen und Patientendachverbände?
Die Patientenversion der Leitlinien (Stand 15.10.2009) befindet sich in der Evaluation. D.h., sie werden auf ihre Praktikabilität hin überprüft.

Osteoporoseportal Wie wird sich die Osteologie in Deutschland entwickeln?
Dr. Frieling Sie wird (hoffentlich) ernster genommen werden.

Frau Dr. Frieling (Internistin, Osteologe DVO) leitet eine hochspezialisierte Privatpraxis, das Osteoporosezentrum Hamburg (Osteoporose Schwerpunktzentrum). Sie ist, wie auch ihr Partner in der Praxis, Prof. Kruse, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Osteoporoseportals.

Anmerkung der Redaktion Praxen bzw. behandelnde Ärzte können im Übrigen bei Leitlinien gerechter Behandlung und zugleich guter Dokumentation der Behandlungsgeschichte bei der Behandlung chronisch kranker Patienten mit den durchaus sehr teuren Medikamenten so bspw. das Regressrisiko durch die KV deutlich minimieren oder ausschließen.

 

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